Mord in Düsseldorf – Mahnung für die Zukunft

Von Uwe Koopmann
|    Ausgabe vom 26. Juni 2015

Vor 82 Jahren, am 20. Juni 1933, wurde Hilarius („Lari“) Gilges am Ufer des Rheins von Nazis brutal ermordet. SA- und SS-Angehörige verschleppten ihn aus seiner Wohnung in der Ritterstraße 36, folterten ihn bestialisch und töteten ihn dann mit mehreren Schüssen. – Am letzten Sonntag, 21. Juni 2015, wurde in einer feierlichen Zeremonie an der Rheinuferpromenade eine Gedenkstele enthüllt, die an das erste Opfer der NS-Zeit in Düsseldorf erinnert.

Porträt von Hilarius Gilges auf der Gedenkstele am Rhein bei Düsseldorf.

Porträt von Hilarius Gilges auf der Gedenkstele am Rhein bei Düsseldorf.

( Bettina Ohnesorge)

Mehrfach wurde in der Vergangenheit versucht, Hilarius Gilges dem kollektiven Vergessen zu entreißen. Angesichts der andauernden Kommunistenhatz ein kompliziertes Unterfangen, denn „Lari“ war Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes (KJVD), der KPD und der bekannten KPD-Agitprop-Gruppe „Nordwest ran“ von Wolfgang Langhoff. Ehrerbietung für einen Kommunisten war in Düsseldorf über 30 Jahre nicht angesagt.
Erst 1988 wurde ganz in der Nähe des Tatortes ein Halbrelief mit kurzen Daten angebracht. Diese Arbeit der Künstlerin Hannelore Köhler ist über die Jahrzehnte stark verwittert und kaum noch auszumachen. Direkt vor der Düsseldorfer Kunstakademie wurde am 23. Dezember 2003 ein Platz nach ihm benannt – mit einem Straßenschild mit minimalistischen Angaben zu seiner Vita. Der Versuch der DKP, die Kunstakademie postalisch dem Hilarius-Gilges-Platz zuzuordnen, wurde zweimal von der Präsidentin der Akademie ohne Begründung abgelehnt. Die Chance, auch den in der NS-Zeit verfolgten Künstlern damit eine „Heimatadresse“ zu geben, wurde vertan.
Ganz anders nun der neue Anlauf: In Kooperation der Stadtbezirksvertretung, des Arbeitskreises Gedenkorte im Stadtbezirk 1 und der Mahn- und Gedenkstätte der Stadt Düsseldorf wurde für die Stele ein Text erstellt, der dem neuesten Forschungsstand entspricht. Er skizziert „Laris“ Leben, sein antifaschistisches Engagement.
Stadtbezirksbürgermeisterin Marina Spillner begrüßte die zahlreichen Teilnehmer. Oberbürgermeister Thomas Geisel leitete aus dem historischen Geschehen mit Nachdruck die Verpflichtung zu antifaschistischem Engagement gerade auch in der Gegenwart ab. Es sei sicherlich auch im Geiste von „Lari“ gelungen, den braunen Spuk der Montagsdemonstrationen von „Dügida“ zu beenden. Diese Verpflichtung bestehe weiterhin.
Annette Klinke, Vorsitzende des Arbeitskreises, entwarf für die Zuhörer ein facettenreiches Bild von „Lari“, der nicht nur politisch, sondern auch rassistisch drangsaliert wurde, weil sein leiblicher Vater afrikanischer Herkunft war.
Der Tatort des Mordes wird bei antifaschistischen Stadtrundgängen häufig aufgesucht. In den Gesprächen geht es dann nicht nur um eine Rückschau auf die NS-Verbrechen, sondern auch um den Umgang damit in der Nachkriegszeit bis hinein in die aktuellen juristischen Auseinandersetzungen. Am Rheinufer erfahren die Teilnehmer zu „Laris“ Mördern nun auch: „Die Täter wurden nie belangt – auch nicht nach 1945.“


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