Vom aufhaltsamen Tod der Pacha Mama

Der Hamburger Fotograf Hinrich Schultze schlägt den Bogen zwischen der europäischen und lateinamerikanischen Widerstands
Von af
|    Ausgabe vom 26. Juni 2015
Oaxaca, Mexico, 03.11.06, Protest gegen die Besetzung des Zocalo, des Hauptplatzes der Stadt durch die Nationale Aufstandsbekämpfungspolizei (Foto: (FREELENS Pool) Schultze)
Oaxaca, Mexico, 03.11.06, Protest gegen die Besetzung des Zocalo, des Hauptplatzes der Stadt durch die Nationale Aufstandsbekämpfungspolizei (Foto: (FREELENS Pool) Schultze)

Filmabend
Fr. 26. Juni, 19 Uhr: Filme von und Gespräch mit Hinrich Schultze. „Oaxaca“ (18 Min.), Journalismus (9 Min.), Caminata Indigena (18 Min.), Tod zweier Gewerkschafter (Kurzversion 6 Min.) Eintritt 10 Euro/ermäßigt 3 Euro

Workshop (1)
Sa, 27. Juni, 15 Uhr: „Bildbearbeitung und Fotofälschung – daheim und in den Nachrichtenredaktionen“ mit Hinrich Schultze (freelens, Panfoto-Archiv HH), UKB 40 Euro (Erm. auf Anfrage), Anmeldung erforderlich
Finissage/Vortrag
Fr, 17. Juli, 19 Uhr: Hinrich Schultze über „Kolonialismus – Imperialismus, aktuelle Kämpfe am Beispiel Panama“. Eintritt 10 Euro/ermäßigt 3 Euro

Workshop (2)
Sa., 18. Juli, 15 Uhr „Meine Zeit – meine Welt“ mit Hinrich Schultze und Anneliese Fikentscher. Insbesondere Jugendliche sind angesprochen. Ergebnisse sollen einfließen in das Projekt „Meine Zeit/meine Welt“ des Bundesverbandes AF, das im Herbst in der Galerie mit weiteren Einsendungen ausgestellt wird. UKB: 10 Euro, Erwachsene 40 Euro, Ermäßigung auf Anfrage. Anmeldung erforderlich


Aktuelle Info:
arbeiterfotografie.com/252015

Die Ausbeutung von Mensch und Natur ist das Thema der Ausstellung „Caminata Indigena“ in Part 3 des Ausstellungszyklus zum 25-jährigen Bestehen der Galerie Arbeiterfotografie in Köln. Zentrale Perspektive dieser Ausstellung ist es, die Ausbeutung nicht hinzunehmen. Hinrich Schultze zeigt mit seinen Bildern und Filmen den Widerstand und entblößt die Paradoxien, wenn Politiker in ihren Rollen angeblich für, aber tatsächlich gegen die Menschen und ihre Existenzrechte ihre Macht ausüben. Sie sind Akteure, Täter, die „Sicherheit“ verkaufen wollen. Bei dieser „Sicherheit“ handelt es sich um die „Sicherheit“ der TäterInnen vor dem Volk. Politiker agieren für Konzerne und Superreiche als Vollzugsorgane mit ihren diversen offiziellen, paramilitärischen und rechtsradikalen Armeen … in Lateinamerika, in Deutschland, in Europa …

Angst und Spaltung als Herrschaftsinstrument
„… die Angst vor dem Verbrechen, vor Terroristen und anderen so genannten Gefährdern ist ein Lieblingsthema der Herrschenden weltweit“ berichtet Hinrich Schultze in Foto und Film aus dem Volksaufstand von 2006 in Oaxaca/Mexiko. Der „Revolutions-Frühling“ war noch nicht erfunden, der Aufstand fand keinen Beifall der westlichen Hegemonialmächte, die Niederschlagung einer einzigartigen friedlichen Revolution endete blutig. Journalisten und Akteure, Gewerkschafter wurden erschossen, erschlagen oder verschwanden. Der Menschenrechte liebende Westen zog die Devise des Putschisten Pinochet vom 11. September 1973 vor: „Die Demokratie muss gelegentlich in Blut gebadet werden.“
Raub und Ausbeutung: Die indianische Philosophie betrachtet die „Pacha Mama“, die „Mutter Erde“, als heilig. Unmöglich kann sie Konsumgut oder Privateigentum sein. So wie die Frauen um die Soziologieprofessorin Maria Mies es in ihrem „Infobrief gegen Konzernherrschaft und neoliberale Politik“ prophezeiten, dass „der Hunger nach Europa kommt“, ist es längst eingetroffen. Der Hunger ist da und mit ihm die Obdachlosigkeit, die Jugendarbeitslosigkeit, der Repressionsapparat und gleichzeitig die infektiöse Spaltung der politischen Gegenkräfte.

Sehen und lügen und schweigen
„Ich bin zum Sehen geboren. Doch Ihr schweigt. Wollt nichts sehen, hören riechen, empfinden. Eure Seele ist abgeschottet … Ihr schweigt. Ich muss schreien, es hinausschreien … Doch Ihr schweigt … Meine Rufe und die Sehnsucht nach Gerechtigkeit … Verlass dich nur auf dich und mich. Sie lügen, denn sie schweigen.“ (ver-)dichtet Roland Wanitschka in seinem Band „Revolutionslyrik II“ den „Abgesang mit Ausblick“.
Hinrich Schultzes Bilder zeigen keinen Totentanz, sondern den lebendigen Widerstand, der der Ausstellung den Namen gibt: „Caminata Indigena“. Panamaische IndianerInnen wehren sich gegen den Raub des gesetzlich geschützten kollektiven Landbesitzes. Gemeindeland darf nicht gehandelt werden. Deutschland im November 1976. Kampf um das AKW Brokdorf. Eine Delegation von BewohnerInnen aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg fordert auf der Wiese vor dem umkämpften Bauplatz: „Rettet die Erde!“

Ausstellung
Caminata Indigena
Menschen und ihre Beziehung zur „Mutter Erde“. Eröffnung mit Hinrich Schultze und Ökobauer Lothar Gothe am Do., 25.6., 19 Uhr.
Galerie Arbeiterfotografie,
Merheimer Str. 107, 25.6. bis 16.7., Mi/Do 19–21 Uhr, Sa 11–14 Uhr u. n. V.
Hinrich Schultze ist Pressefotograf und mit Günter Zint (Wallraff-Fotograf) und Marily Stroux (Flüchtlingsarbeit) Mitbetreiber des Pan-Foto-Dokumentar-Archivs in Hamburg

Filmabend
Fr. 26. Juni, 19 Uhr: Filme von und Gespräch mit Hinrich Schultze. „Oaxaca“ (18 Min.), Journalismus (9 Min.), Caminata Indigena (18 Min.), Tod zweier Gewerkschafter (Kurzversion 6 Min.) Eintritt 10 Euro/ermäßigt 3 Euro

Workshop (1)
Sa, 27. Juni, 15 Uhr: „Bildbearbeitung und Fotofälschung – daheim und in den Nachrichtenredaktionen“ mit Hinrich Schultze (freelens, Panfoto-Archiv HH), UKB 40 Euro (Erm. auf Anfrage), Anmeldung erforderlich
Finissage/Vortrag
Fr, 17. Juli, 19 Uhr: Hinrich Schultze über „Kolonialismus – Imperialismus, aktuelle Kämpfe am Beispiel Panama“. Eintritt 10 Euro/ermäßigt 3 Euro

Workshop (2)
Sa., 18. Juli, 15 Uhr „Meine Zeit – meine Welt“ mit Hinrich Schultze und Anneliese Fikentscher. Insbesondere Jugendliche sind angesprochen. Ergebnisse sollen einfließen in das Projekt „Meine Zeit/meine Welt“ des Bundesverbandes AF, das im Herbst in der Galerie mit weiteren Einsendungen ausgestellt wird. UKB: 10 Euro, Erwachsene 40 Euro, Ermäßigung auf Anfrage. Anmeldung erforderlich


Aktuelle Info:
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Leserbrief zu »Vom aufhaltsamen Tod der Pacha Mama«, UZ vom 26. Juni 2015





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