Nicht nur die Musik war grauenhaft

In Wetzlar warb die Bundeswehr für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung
Von Claudia Reimer
|    Ausgabe vom 19. Juni 2015

Die Bundeswehr hat Nachwuchsprobleme und muss für Akzeptanz in der Bevölkerung werben. Dies wurde auch bei der gestrigen Werbeveranstaltung in Fritzlar deutlich. Die Besucherzahl blieb ganz weit hinter den erwarteten 100 000 Besuchern zurück, (allerhöchstens die Hälfte), die Gegenveranstaltungen der ca. 30 Friedensaktivistinnen wurden neugierig verfolgt und von etlichen positiv kommentiert. Die Insassen der Busse lasen fast alle unsere Transparente, viele mit zustimmenden Gesten. Ein Eiswagen versorgte uns solidarisch und kostenlos. Es gab weitaus mehr positive Kommentare von Passantinnen, als pöbelnde oder negative. Schätzungsweise 30 Prozent kamen aus purer Neugier und nahmen unsere Flugblätter, Aufkleber und Luftballons gern, insbesondere die Kinder, wenn sie von dem Bundeswehrgelände gehen durften. Das Klima dort und die Minen der Besucherinnen wurde von uns als eher starr und düster empfunden, die Deko war wenig liebevoll bzw. nicht vorhanden, die Musik grauenhaft, die Animation fast durchgängig militant.

Unsere Aktionen mussten ca. 300 Meter entfernt vom Gelände stattfinden, auf dem Bundeswehrgelände selbst durften wir keinen Stand durchführen. Erst nach „Drohung“ mit der Presse erhielten wir einen Standort für unseren Infostand in relativer Nähe, sonst hätte man uns in die ca. 1,5 km entfernt liegende Altstadt verfrachtet. Am Vorabend erhielten wir beim Standaufbau Besuch von einem Bundeswehrmitglied, der uns verscheuchen wollte mit dem Hinweis, dies sei Privatgelände, am Morgen erhielten wir Besuch von der Kripo, die uns unter Androhung von Auflösung des Standes ermahnte, nicht in die Nähe des Geländes zu gehen.

Das hessische Fernsehen (hr extra) berichtete hingegen begeistert von der Technik und jedem Detail, filmte aber auch unseren Stand und Frank Skischus vom Kasseler Friedensforum durfte auch ein Statement abgeben. Immerhin.


  Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (redaktion@unsere-zeit.de):

Leserbrief zu »Nicht nur die Musik war grauenhaft«, UZ vom 19. Juni 2015





Wir bitten darum, uns kurze Leserzuschriften zuzusenden. Sie sollten unter der Länge von 1800 Zeichen bleiben. Die Redaktion behält sich außerdem vor, Leserbriefe zu kürzen und kann nicht versprechen, dass jeder Leserbrief beantwortet oder veröffentlicht wird. Anonyme Leserzuschriften werden in der Regel nicht veröffentlicht.